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10. Sonstige Handlungen aus Gewissensgründen
10.2. Rechtsprechung
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Gericht: BVerfG 1. Senat 1. Kammer
Datum: 1989-10-18
Az: 1 BvR 1013/89 (Lohnfortzahlung bei Schwangerschaftsabbruch)
Für eine juristische Person mit wirtschaftlicher Zielsetzung - hier: eine GmbH - gilt die Gewissensfreiheit (GG Art 4 Abs 1) ihrem Wesen nach nicht (Art 19 Abs 3 GG; vgl BVerfG, 1977-02-17, 1 BvR 33/76, BVerfGE 44, 103 <104>; offen gelassen noch in BVerfG, 1965-12-14, 1 BvR 413/60 ua, BVerfGE 19, 206 <215>).
Ob die Gewissensfreiheit juristischen Personen von Natur aus nicht zustehen kann, kann offen bleiben; jedenfalls ist - wie bei der Grundrechtsfähigkeit juristischer Personen im Hinblick auf die religiös und weltanschaulich orientierten Schutzgüter von GG Art 4 Abs 1 und Abs 2 - entscheidend, ob die juristische Person zumindest auch eine religiöse oder weltanschauliche Zielsetzung verfolgt (vgl BVerfG, 1980-03-25, 2 BvR 208/76, BVerfGE 53, 366, 386ff).
Fundstelle
NJW 1990, 241-242 (ST)
NZA 1990, 39-40 (ST1)
SozVers 1990, 23-25 (ST)
EuGRZ 1990, 195-197 (KT)
Anmerkungen:
Otto: NStZ 1990, 178
Müller: FamRZ 1990, 153
Maydell: SAE 1990, 131
Buchner: AR-Blattei Krankheit IIIA Entsch 147
Kluth: JR 1990, 104